Hilfe, mein Chef ist ein Tyrann! – Ein Survival-Guide für Projektteams und Führungskräfte!
Checkliste: Red Flags & Führungskultur im Bewerbungsgespräch
Diese Liste hilft dir, hinter die glänzende Fassade der Arbeitgebermarke (Employer Branding) zu blicken und herauszufinden, ob dort psychologische Sicherheit herrscht oder ob ein Tyrann regiert.
1. Die Vorbereitung (Digital Body Language)
Bevor du überhaupt den Raum betrittst, kannst du online Spuren lesen.
[ ] Kununu/Glassdoor-Musteranalyse:
Fachlich: Achte nicht auf einzelne schlechte Bewertungen (Rachebewertungen gibt es immer), sondern auf Muster.
Warnsignal: Tauchen Begriffe wie „Vetterleswirtschaft“, „Choleriker“, „keine Wertschätzung“ oder „Top-Down-Mentalität“ gehäuft auf?
[ ] LinkedIn-Stalking (Fluktuationsanalyse):
Fachlich: Prüfe die durchschnittliche Verweildauer (Tenure) im Team.
Warnsignal: Wenn im Team deines potenziellen Chefs alle Mitarbeiter nach 10–18 Monaten wieder weg sind, ist das ein massives Warnzeichen. Menschen verlassen Vorgesetzte.
2. Im Gespräch: Die Fragen an den Chef (Auditing)
Wenn dein zukünftiger Vorgesetzter dabei ist, stelle diese Fragen. Achte nicht nur auf was er sagt, sondern wie er es sagt.
[ ] Die System-Frage (aus dem Blogartikel):
„Wie sieht das Feedback-System für Führungskräfte bei Ihnen aus? Wie erfahren Sie, ob Ihr Team zufrieden ist?“
Red Flag: Ausweichen, verdutztes Schweigen oder „Meine Tür steht immer offen“ (das ist kein System, das ist eine Floskel).
[ ] Die Fehlerkultur-Frage:
„Können Sie mir von einem Fehler erzählen, der im Team im letzten Jahr passiert ist, und wie damit umgegangen wurde?“
Red Flag: „Bei uns passieren keine Fehler“ (Lüge) oder die Schuld wird sofort einer Person zugeschrieben („Da hat Herr Müller nicht aufgepasst“).
[ ] Die Konflikt-Frage:
„Wie werden Entscheidungen getroffen, wenn es im Team unterschiedliche fachliche Meinungen gibt?“
Red Flag: „Am Ende entscheide ich, ich trage ja den Kopf hin.“ (Indiz für autokratischen Führungsstil).
[ ] Die Nachfolge-Frage:
„Warum ist diese Stelle vakant geworden?“
Red Flag: Schlechtes Reden über den Vorgänger („Der war dem Druck nicht gewachsen“).
3. Im Gespräch: Die Beobachtung (Non-verbale Signale)
Hier verlassen wir die Sachebene. Achte auf die Gruppendynamik.
[ ] Der Redeanteil:
Redet der Chef 80% der Zeit nur von sich und seinen Erfolgen? (Narzissmus-Verdacht).
[ ] Der Umgang mit HR/Kollegen:
Fällt der Chef dem HR-Mitarbeiter oder Fachkollegen ins Wort? Rollt er mit den Augen, wenn andere sprechen?
Einfach gesagt: Wer nach unten tritt, wird auch dich treten, sobald du „unten“ (also eingestellt) bist.
[ ] Die "Familien"-Lüge:
Betonen sie ständig: „Wir sind hier wie eine Familie“?
Übersetzung: Das bedeutet oft: Wir erwarten unbezahlte Überstunden, emotionale Abhängigkeit und respektieren keine Grenzen. In einem Profi-Team sind wir kein Familie, sondern ein Leistungsteam, das sich vertraut.
4. Das Bauchgefühl (Intuition)
Manchmal sendet unser Gehirn Warnsignale, bevor wir sie logisch erklären können.
[ ] Der "Sonntagabend-Test" (im Vorfeld):
Fühlst du dich nach dem Gespräch energiegeladen oder ausgelaugt?
Hattest du das Gefühl, eine Prüfung bestehen zu müssen, oder war es ein Dialog auf Augenhöhe?
[ ] Druck beim Vertragsangebot:
Wirst du unter Druck gesetzt, sofort zu unterschreiben? („Wir haben noch drei andere Kandidaten, wir brauchen bis morgen früh Bescheid.“) – Tyrannen lieben Druckmittel.
Tipp zur Anwendung: Nimm diese Liste (oder die Fragen daraus) ruhig mit ins Gespräch. Ein guter Chef wird beeindruckt sein, dass du dir Gedanken über die Kultur machst. Ein toxischer Chef wird sich dadurch bedroht fühlen – und damit hast du deine Antwort sofort.
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